13 Der obere Rote Stein

Der obere Rote Stein (liegt in der Suhler Harzgasse etwa hundert Meter nach einer fast haarnadelförmigen Kurve)

Grausige Funde am oberen "Roten Stein": Jene steinige Anhöhe - der „Dietzeberg" - an der man beim Durchschreiten der abschüssigen Harzgasse emporsteigen muß, heißt bekanntlich auf der Seite, wo sie von der Eisenbahnlinie durchschnitten wird und – hinterm "Gasthaus zum Pfeil" - als brauner Porphyrfelsen steil abfällt, der "Rote Stein". Auf diesem bergigen Vorsprunge ist es nicht ganz geheuer, denn der wilde Jäger hat hier nach dem Oberländer Volksglauben seinen geräuschvollen Durchzug, sobald die winterlichen Stürme tosen. Daß dieser jagende Fürst - „Düerscht" sagt der Suhler Volksmund - auch hier wie anderswo etwas ...

... von seiner seltsamen Beute zur Erde herab wirft, beweisen zwei sagenhafte Überlieferungen, von denen eine hier folgen möge:

Ein am oberen Abhange des Roten Steines wohnendes Mädchen bemerkte einst in später Abendstunde in einiger Entfernung vom elterlichen Hause einen ungewöhnlich starken Feuerschein, der noch ziemlich grell zum Fenster hereindrang. Obgleich anfangs erschrocken, begab sie sich doch hinaus und ging beherzt auf den glühenden Fleck zu. Bald stieß sie auf einen umzäunten Platz, auf dem ein blutendes Pferdebein lag. Da ward es ihr doch nicht so wohl zumute, und sie wandte sich zur schnellen Rückkehr. In demselben Augenblicke erhielt sie eine solch kräftige Ohrfeige, dass sie sich entsetzte und wie betäubt zur Erde fiel. Erst nach einigen Minuten erlangte sie das Bewußtsein zurück und eilte schnell nach Hause.

... dort oben, wenn brauende Nebel den Schneekopf umwallen, wenn dichte Wolkenschleier in den ernsten, dunklen Tannen hängen und Weg und Pfad und Stein und Busch in ein undurchsichtiges, graues, feuchtes Kleid einhüllen. Das größte der Sumpflöcher ist das "Teufelsbad". Wenn's dem Herrn Urian einmal an den ewig brennenden Feuern seiner unterirdischen Hölle zu heiß ist, dann kommt er herauf an die Oberfläche der Erde, saust zum Schneekopf und nimmt ein kühlendes Bad im Moor. Dieses ist unergründlich tief.
(Auszug aus dem Suhler Sagen- und Heimatbuch "Das blaue Feuer" von Ulrich Brunzel / und "Suhler Sagenbuch 1920" von Kunze, Friedrich)